Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung?

Im Volksmund ist die Person ein Optimist, die ein bis zur Hälfte gefülltes Glas halb voll sieht. Und ursprünglich steht der Begriff für die Überzeugung, in der besten aller möglichen Welten zu leben.

Coca-Cola beschwört in einer Werbung genau diesen Glauben an eine bessere Welt, die eigentlich schon existiert. Im Clip kann man die Ergebnisse bestaunen, auf die Coca-Cola in Folge einer “offizielen Umfrage” nach der Finanzkrise 2010 gestoßen ist. Eigentlich sei die Welt gar nicht so schlecht, nur was eben manchmal fehle, sei Glückseligkeit und einfach gute Stimmung. Gründe, sich einfach zurückzulehnen und sich zu freuen, gibt es laut Umfrage genug, denn für jeden neu produzierten Panzer werden 20.000 neue Plüsch-Teddys von der Fabrik direkt in die Kinderzimmer dieser Welt verkauft. Es scheint wirklich alles wunderbar zu sein, solange pro Börsencrash, 10 neue Versionen von “What a wonderful world” über den Äther geschickt werden. Und schließlich -im grand finale des Clips- stehen sich Soldaten mit Waffen und Kriegsgepäck und ein multikulturelles Heer von glücklichen Menschen -jeder mit einer Cola-Flasche “bewaffnet” – gegenüber, während ein Kinderchor voller Kraft aus dem Off “Whatever” von Oasis singt. In weißen Buchstaben kann man dann lesen: Für jede Waffe, die in der Welt verkauft wird, teilen sich 20.000 Menschen eine Cola – was auch immer das heißen mag.

Optimistisch gesehen, kann also alles so weiterlaufen wie bisher – alles Wettrüsten, alles Zocken an den Börsen und alles Waffenschieben. Optimistisch gesehen, ist das Glas ja halb voll, von daher: einfach abwarten und Cola trinken, bis die Welt voller Plüsch-Teddys ist und das Heer von glücklichen Menschen aller Nationen die endgültig letzte Version von “What a wonderful world” singen.

Ist Hoffnung nicht irgendwie das Gleiche – also ein religiöser Optimismus? Manche ChristInnen hoffen tatsächlich so, als wäre die Kirche eine riesige Wartehalle und das Himmelreich auf Erden ein Zug, der irgendwann ganz sicher ankommen wird. Aber christliche Hoffnung ist mehr und wenn es um das halb gefühlte Glas geht gerade nicht optimistisch. Im Gegenteil, will Hoffnung wirklich christlich sein, dann muss sie es sich gefallen lassen, als pessimistisch und spielverderberisch bezeichnet zu werden. Denn um die Welt mit anderen – nicht optimistischen – Augen zu sehen, muss man eben manchmal die Rolle der verkappten Miesepeter einnehmen, die im Alten Testament die ProphetInnen innehatten. Sowohl in Zeiten, in denen alles bestens zu laufen schien, aber auch in schlechten Zeiten, in denen einige Wenige den Rest mit dem Satz vom halb gefüllten Glas vertrösten und einschläfern wollten, waren die ProphetInnen die großen Pessimisten. Sie legten ihre Finger in die Wunden und forderten Gerechtigkeit für diejenigen ein, die unter der vermeintlich Besten aller möglichen Situationen litten. Aber nur bei der Kritik stehen zu bleiben, wäre auch zu wenig – und viel zu deprimierend. Hand in Hand mit der Kritik ging bei den ProphetInnen die Hoffnung auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes – nämlich alles Zerbrochene ganz zu machen, Brot den Hungrigen und Land den Landlosen zu geben und wirklichen Frieden ohne Waffen zu schaffen. Für die ProphetInnen ging es also letztendlich gar nicht so sehr darum, ob das Glas nun halb voll oder leer ist, sondern vielmehr um die Frage, warum das Glas nicht ganz voll sein sollte und wie es aufgefüllt werden kann.

In einem Gottesdienst habe ich einen interessanten Satz aufgeschnappt: No esperes esperando sino espera obrando esperanza! Hoffe/Warte nicht, während du wartest/hoffst, sondern hoffe, indem du Hoffnung mit deinen eigenen Händen schaffst! Wie das geht, zeigen täglich die Erwachsenen in den Barrios, die pessimistisch genug sind, um sagen zu können, dass sie niemals die Armut verlassen werden, aber voller Hoffnung in öffentlichen Küchen, Tagesprojekten und Nachhilfen für die bessere Zukunft ihrer Kinder arbeiten. Hoffnung schaffend demonstrieren Menschen gegen atomare Verschmutzung der Zukunft, ungerechte Wirtschaftssysteme und Gewalt in all ihren Formen. Und hoffnungsvoll sehe ich Menschen, die anderen Menschen volle Gläser reichen, denn der Durst der Welt nach sauberen Wasser, Frieden und Gerechtigkeit ist zu groß, als dass er mit einem halb vollem Glas gelöscht werden könnte.

Und du? Bist du OptimistIn oder hast und schaffst du Hoffnung?