Die Wach- und Schoßhunde der Festung Europa werden nach und nach vertrieben. Die Tore stehen nun offen, aber der Kerberos Frontex ist aufgeschreckt und die weißen Götter auf ihrem Olymp Berlin-Rom-Brüssel-Paris zittern vor Angst, wenn sie an die vielen kleinen Fischerboote und die abertausenden Augen, Füsse, Hände, Herzen, die hoffnungsvoll neues Land und neues Leben suchen.

Calle 13 haben in ihrem Song “Pal Norte” (Gen Norden) diese Suche, diesen Struggle in starke und wut- und hoffnungsvolle Worte gefasst. Und was für die vielen Latinos und Latinas gilt, die gen Norden ziehen, um die USA zu erreichen, gilt auch für die vielen arabischen und afrikanischen ImmigrantInnen, dem Sturm vor Lampedusa.

 

 

Ein paar Beine,
die Schlangengift atmen.
Über die Route des Windes
versprühe ich Branntwein.

Ich hab dein Gegengift:
für dich, der du keine Identität hast.
Wir sind identisch:
ich und der, der ohne Bescheid zu geben hergekommen ist.
Kommt ruhig her:
ihr, die ihr nicht mehr da seid,
ihr, die ihr da seid,
und ihr, die ihr erst noch kommt.

Bin ein Nomade, der ziellos herumstreift
und die negative Energie unterbricht.
Ich habe mir vorgenommen,
mit meinen Lammklauen den ganzen Kontinent zu durchstreifen
– ohne Kompass, zeit- und terminlos.
Anhand von Legenden
– Stories in Dosen verpackt
und Geschichten, die der Mond erzählt –
habe ich gelernt, ohne Karte zu wandern,
unbequem und ohne jeglichen Luxus;
immer beschützt von den Heiligen und Hexen.
Hab gelernt, Schweinerein in mein Reimbuch zu schreiben
und mit meiner Sprache, den ganzen Planeten aufzuschrecken.
Hab gelernt, dass mein Volk immernoch betet
weil die scheiß Obrigkeiten und das verdammte Königshaus
immernoch die Finger im Spiel hat.
Hab gelernt, die Depression mit Bier runterzuspülen
Auf die, die mich regieren, spucke ich von Bergen
und mit meiner eigenen Spucke vergifte ich ihren Champagner.

In deinem Lächeln sehe ich eine Guerrilla,
ein Abenteuer, ein Movement.
Deine Sprache, dein Akkzent:
ich will wieder entdecken, was schon entdeckt wurde.
Mein Sport heißt, Immigrant zu sein
und heute gehts gen Norden ohne Reisepass und ohne Mitfahrgelegenheit
einfach zu Fuss mit meinen beiden Füssen.
Aber egal, ich dehydrier nicht,
weil ich trinke, was meine Augen sehen.
In meinem Rucksack schleppe ich ein paar Landschaften mit mir rum,
Vitamine und Blattgrün
und ein Rosenkranz, der für mich Nachwache hält.
Ich träum davon, den Meridian zu überqueren
-stolpernd über die vier Seiten des Aurelian-
und ganz früh am Morgen das Ufer zu erreichen
nach einem langen Fussmarsch über glühende Kohlen durch die Wüste.
Unterirdisch wie Maulwürfe
werde ich die Mauer überwinden.
Ich bin ein Eindringling, ein Krimineller.
Deshalb werde ich zum Taucher
und tauche unter die Erde ab,
damit mich die Wachen nicht sehen
und die Spürhunde nicht riechen.
Großmutter, mach dir keine Sorgen,
um meinen Hals trage ich die Madonna von Guadalupe.

(aus dem Off) Diese musikalisch-kulturelle Produktion, mit Liebe und unter Schweiß gemacht,
sei ein Aufruf für alle, gewillt zu sein und Hoffnung zu haben.