Ich habe nun schon so manchen Kurs hier am Instituto Superior Evangelico de Estudios Teologicos – ISEDET in Buenos Aires besucht und ich denke, dass ich hier ein äußerst interessantes Studienjahr verbringen werde. Dazu aber an einem anderen Tag mehr.

Neben dem Studium begleite ich unter anderem auch die deutschen Freiwilligen, die wie ich 2005/06 für das Movimiento Ecumenico por los Derechos Humanos (MEDH – Ökumenische Menschenrechtsbewegung) ein Jahr lang arbeiten. Gestern habe ich mit ihnen das erste Mal Villa Itati, ein Armenviertel in einer Vorstadt der Megacity Buenos Aires, besucht, wo die vier Jungs zunächst in zwei verschiedenen Nachhilfe-Projekten arbeiten werden. Wir wurden in den Projekten gleich herzlich mit vielen Umarmungen und viel Kinderlachen begrüßt und alte Erinnerungen an mein Freiwilligenjahr im selben Viertel fielen aus meiner Erinnerungsschatztruhe. Es ist schon herzerwärmend, wenn man von den Kindern umarmt wird, als würde man sich schon das ganze Leben lang kennen. Generell hat mich wieder einmal beeindruckt – und ich weiß nicht, wie ich es einordnen oder beurteilen soll – wie herzlich, freundlich und humorvoll die Vielzahl der Menschen ist, die in diesem 50000 Einwohner großen Armenviertel leben. Gestern war der Kontrast besonders groß: zunächst bin ich in der U-Bahn und dann im Bus quer durch die Hauptstadt Richtung Villa Itati gefahren und die meisten Passagiere machten eine miesepetrige Karfreitags-Mine. In Villa Itati hingegen alle am Rande der Gesellschaft – teilweise sogar schon außerhalb derselben- und am Existenzminimum leben, lächeln, lachen und witzeln die Menschen als wäre hier jeden Tag Geburtstag.

Ein besonderer Tag war gestern auf jeden Fall; für mich, weil Erinnerungen wieder lebendig wurden und mich umarmten, von mir auf den Arm genommen werden wollten und mit mir lachten; für die vier neuen Freiwilligen, weil ihnen der Start in einer fremden Realität durch die Kinder so leicht gemacht wird; und für die Kinder, weil es für sie wichtig ist, dass man mit ihnen die Hausaufgaben macht, mit ihnen spielt und ihnen Aufmerksamkeit schenkt, zuhört. Was für ein besonderer Tag gestern war, haben die Kinder in der Erfindung eines neuen Feiertags gezeigt:

FELIZ DIA DEL ALEMAÑO – ALLES GUTE ZUM TAG DES DEUTSCHLÄNDERS