Eine Woche bin ich nun jetzt schon in Tucuman, dieser mir so vertrauten, kleinen Provinz im Nordwesten Argentiniens; wieder zurück und auch daheim, denn – so abgedroschen es auch klingen mag – Heimat ist sehr wohl dort, wo das Herz ist. Hier ist der Ort, an den in Mondnächten meine Seele mit weit ausgestreckten Flügeln flog – wie in dem wunderbar schönem Gedicht von Eichendorff. Hier habe ich meine Liebe, eine zweite Familie und einen Ort, an dem ich entspannen kann, gefunden.

Dass Daheim-Sein nicht nur eine Sache des Herzens, sondern auch der Sinne und des Bauchs ist, habe ich ja bereits in meinem vorherigen Blogeintrag klargestellt. Daher genieße ich es, wenn der Mate – dieses entspannende und gemeinschaftsstiftende tee-ähnliche Nationalgetränk Argentiniens – die Runde macht und die verstaubte Kehle bewässert (da es seit Wochen nicht regnet, ist hier alles sehr staubig). Ich genieße es, im Garten Zitronen, Mandarinen und Orangen zu pflücken. Mich entspannt aber auch das Sich-Zeit-Nehmen bzw. das polychrone Zeitverständnis, denn ,auch wenn es dazu führt, dass die Busse nicht nach Zeitplan fahren und ich mir generell für alles etwas mehr Zeit nehmen muss, so lerne ich doch wieder Sekündchen für Sekündchen oder Stunde für Stunde Geduld zu haben und (Lebens-)Zeit voll(er) auszuschöpfen.

Als Soundtrack für diese erste Zeit in Tucuman kann ein Lied aus dem reichen Fundus argentinischer Folklore gelten, die immer wieder die tanzbaren, aber lauten, monotonen und urbanen Klänge des Cumbia oder des Reggaetons übertönt. Es handelt sich um “Luna Tucumana” des argentinischen Poeten Atahualpa Yupanqui – nachfolgend in der Version der tucumanischen Gruppe Los Tucu Tucu.

Mond aus Tucuman

Ich singe nicht für den Mond/ nur weil er hell leuchtet/

Ich singe für ihn/ weil weiß, wie weit ich gewandert bin/

Ach, kleiner Mond aus Tucuman/ kleines Tambor aus Calchaqui/

Du begleitest die Gauchos/ auf den Pfaden von Tafi/

Verloren im dichten Nebel/ wer weiß, mein Ein und Alles, wohin ich gehe/

Vor allem, wenn der Mond aufgeht/ singe ich immer wieder/ für mein geliebtes Tucuman/

Wenn wir uns in etwas ähnlich sind/ Mond der Einsamkeit/

dann ist es, dass mein Wandern und Singen/ meine Art ist, hell zu leuchten/

Voller Hoffnung oder voller Leid/ in den Feldern Acherals/

habe ich den guten Mond gesehen/ und wie er die Zuckerrohrfelder geküsst hat/

(Freie Übersetzung von M.N.)