Daheim-Sein ist wie nach einer langen Reise anzukommen – mit allen Sinnen.

Zuerst den edenhaften Garten meiner Mutter mit all seinen duftenden, strahlenden und sonnenverliebten Blumen und Blümchen riechen und ins Auge fassen. Sich davon umschließen lassen wie auch von der warmen und mutterherzlichen Umarmung. Unseren alten Dackel stürmerisch um die Beine wirbeln sehen. Dann die tiefe, hallende Stimme meines Vaters, die wasserfallenden Worte meiner kleinen Schwester, das Schweigen meiner anderen Schwester und die quietschlebendige und kurz vor dem Stimmbruch stehende Stimme meines kleinen Brüderchens hören. Schließlich die nach Kindertagen riechende Schwemmklößchensuppe, die meine Oma noch genauso gut wie damals macht, Bissen für Bissen genießen – Daheim-Sein geht auch durch den Magen.

Daheim-Sein ist wie eine Zeitreise.

Kissenschlachten mit meinem Bruderherz, es sich im Mutternest gemütlich machen, die dankenswerte Abhängigkeit von der Familie deutlich spüren. Wieder Kind sein. Wieder Jugendlicher sein und dem jugendlichen Sturm und Drang erliegen. Grauen Fotos gemeinsam mit alten FreundInnen wieder Farbe geben, sich nochmal ins Bild zu setzen, sich an jedem Detail noch einmal erfreuen, bis die Bauchmuskeln wehtun und die Gegenwart wieder präsent ist. Pläne schmieden, egal wie utopisch sie auch sein mögen, denn die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass es das Schmieden wert ist, auch wenn es nicht alles in die Schatzkiste der Erinnerung schafft.

Daheim-Sein ist wie dicke Luft und Funken.

Ärger, dass sich irgendwie doch nichts geändert hat, der gleiche Trott, die gleichen schlechten Witze, die immer gleichen Fixpunkte, Kontroverse Gespräche mit meinem Vater über Religion und Politik – und am Ende löst sich doch alles in schweigendes Genießen und dem mediativen Rauch zweier Zigarren in einer Sommernacht, im wärmenden Lagerfeuer und im Blick ins tiefe Tal auf.

Daheim-Sein ist aber auch immer wie ein neuer Teil einer spannend bleibenden Real-Life-Doku.

Geschwister werden größer und reifer, alte Freunde werden Väter und Ehemänner. Und am Ende ist doch immer wieder die Moral der Geschicht, dass ich daheim sein kann, der ich nun einmal bin und dass ich immer willkommen sein werde im Kreis meiner Familie und im Kreis meiner guten alten FreundInnen – egal was passiert und wieviel neues Wasser den Bach runterfließt.

Daheim-Sein ist aber auch wie ein Abschied-Nehmen – mit Tränen oder lachend.

Abschied-Nehmen in der Gewissheit, einen Teil von Daheim immer im Herzen zu tragen und auch immer ein Teil von Daheim zu sein. In der Gewissheit, immer wieder zurückkommen zu können, ankommen zu können, sich wieder zu treffen. In der Gewissheit, dass immer ein Platz für mich frei ist, denn „die Wohnung ist klein, aber das Herz ist groß“. In schließlich in der Gewissheit, auseinander zu gehen und von guten Mächten wunderbar geborgen zu sein.